Geschichte
Das Jagdschloß, erbaut im 16. Jahrhundert, beherbergt heute ein kulturhistorisches Museum sowie ein Vier-Sterne-Hotel. Es liegt in einer landschaftlich reizvollen Umgebung mit Wäldern, Wiesen und Teichen im Norden Darmstadt.
Die dreiflügelige Renaissanceanlage ist unter Landgraf Georg I. von Hessen-Darmstadt (1547-1596) aus einem Hofgut entstanden, das um 1580 von dessen Baumeister Jakob Kesselhuth zu einem Jagdschloß ausgebaut wurde. In dieser Zeit entstand der erste Wildpark für jagdliche Zwecke.
Nach den Wirren und Zerstörungen des dreißigjährigen Krieges widmete sich Landgräfin Sophie-Eleonore, die Ehefrau Georg II., der Instandsetzung von Kranichstein. Als passionierte Jägerin schätzte sie es, in Kranichstein zu wohnen, ihre Fasanerie zu hegen und „naus in walt“ zu ziehen.
Die Blütezeit Kranichsteins begann gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit Landgraf Ernst–Ludwig (1667 – 1739), der die französische Parforcejagd einführte, für die sich die Umgebung Darmstadts gut eignete. Die Zeugnisse dieser barocken Jagdform machen heute einen wesentlichen Teil der Museumssammlung aus.
Ludwig VIII. (1691 – 1768), der sog. „Jagdlandgraf“ verlegte aus weidmännischer Passion seine Hauptresidenz nach Kranichstein und nahm hier einige Bauveränderungen vor, so den Anbau des Rondells an der Parkseite als Zentrum eines barocken Schneisensterns.
Unter der Regierungszeit seines Sohnes Landgraf Ludwig IX ging die Epoche barocker Jagdvergnügen zu Ende. Die Parforcejagd wurde abgeschafft.
1790 folgte Ludwig X als Landgraf, später Großherzog. Er gestaltete das Jagdschloß zu seiner bevorzugten Sommerresidenz um, wofür er den bewährten Hofbaumeister Georg Moller heranzog.
Auch seine Nachfolger pflegten das Schloß nicht mehr zur höfischen Jagdlust zu nutzen, sondern erhielten sich hier einen naturnahen privaten Sommeraufenthalt.
Großherzog Ludwig III ließ die Schloßarchitektur im Sinne historistischer Neorenaissance verändern, wie sie heute noch erhalten ist. Der kinderlose Großherzog hatte das Schloß 1862 seinem Neffen und Nachfolger Ludwig IV überlassen. Nach dessen Hochzeit mit Alice von Großbritannien, einer Tochter Queen Victorias, nahm das Paar einige Jahre seine Sommerwohnung in Kranichstein.
Das Jagdschloß wurde auch später noch als Sommeraufenthalt genutzt und erlebte zahlreiche Besuche aus dem britischen Königshaus, insbesondere von Queen Victoria.
1917 ließ Großherzog von Ernst Ludwig durch seinen Großmarschall Cuno Graf von Hardenberg das Museum Jagdschloß Kranichstein mit der jagdhistorischen Sammlung seines Hauses einrichten.
Ab 1939, bedingt durch die Kriegsereignisse, führte man die Gebäude vorübergehend einer sozialen Nutzung und Ausbildungszwecken zu, bis die Stiftung Hessischer Jägerhof das Schloß 1952 von Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein übernahm und kurz darauf das Museum wieder aufleben ließ.
Im Jahr 1988 machten wesentliche Baumängel die aufwendige Restaurierung des gesamten Jagdschlosses notwendig. Nach zehnjähriger umfassender Sanierung mit finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen und die Stadt Darmstadt konnte das Jagdschloß ab 1998 wieder durch die Öffentlichkeit genutzt werden.




